Philosophie

Einheit in der Vielfalt: Kant über Menschheit und Menschen

Prof. Dr. Volker Gerhardt, Literarische Welt am 18. Juli 2020

Eine humane Schuldigkeit. Sklaverei und Völkermord sind singuläre Verbrechen der Menschen. Bei Tieren kommen sie nicht vor, was ein Motiv mehr sein sollte, das menschheitliche Versagen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dabei hat, über das Verlangen nach Erkenntnis hinaus, ein vorrangiger Grund das Bewusstsein der Schuld zu sein, die auf uns allen lastet. ...

Kant ein Rassist? Lest ihn bitte genau

Prof. Dr. Volker Gerhardt, DIE WELT am 17. Juni 2020

Wie schön wäre es doch, wenn mit der Streichung des Begriffs der Rasse auch gleich der Begriff des Rassismus verschwände! Nur darf der Zweifel, der hier angebracht ist, fel, nicht die Folge haben, auf die Korrektur eines erkannten Fehlers zu verzichten. Ob das aber bei einem Begriff der Fall ist, der, wie im Grundgesetz, Art. 3, gar nicht auf die biologische Nomenklatur, sondern auf ein unter Berufung auf den Begriff der Rasse verübtes Verbrechen bezogen ist, das sich unter keinen Umständen wiederholen soll, ist eine andere Frage.

Immanuel Kant – ein Rassist und Kolonialist?

Prof. Dr. Vadim A. Chaly

Die Ermordung eines afroamerikanischen Gefangenen durch einen Polizisten Ende Mai 2020 löste in den Vereinigten Staaten eine öffentliche Empörung aus, die zu einer Kampagne gegen die Denkmäler historischer Persönlichkeiten führte, deren Ruf nach Ansicht der Demonstranten durch Rassismus geschädigt wurde. Einige deutsche Publizisten, beeindruckt von der Kampagne, initiierten eine analoge Suche nach Rassisten unter den nationalen Denkern und Politikern der Vergangenheit. Plötzlich tauchte Kant als "Sündenbock" auf. Diese Aussage ist ein Versuch, solche Reaktionen aus der Perspektive der Erfahrungen Russlands zu bewerten. ...

Was ist Aufklärung in China?

J. Magnus Obermann

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, ist also der Wahlspruch der Aufklärung. ...

Von der Macht des Gemüths durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu seyn.

Immanuel Kant

Ein Antwortschreiben an Hrn. Hofr. und Professor Hufeland

Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst, herausgegeben von C. W. Hufeland, Fünfter Band, Jena 1798.

Die Philosophie Kants in Russland nach 1945

Prof. Dr. Alexei Krouglov

In meinem kleinen Vortrag werde ich mich bemühen, Ihnen eine annähernde Skizze davon zu geben, wie die Philosophie Kants nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der UdSSR und später in Russland aufgenommen und bewertet wurde und sich verbreitete. Besondere Aufmerksamkeit werde ich der Frage widmen, in welcher Weise auf diesen Prozess die historischen Veränderungen eingewirkt haben, aufgrund derer die Heimatstadt Kants – Königsberg – zu der russischen Stadt Kaliningrad wurde.  ...

Leo Nikolaevič Tolstoj als Leser Kants

Alexei N. Krouglov

Im Jahre 1963 ist in Moskau ein Buch von Ja. E. Golosovker erschienen, das viel Aufsehen erregt hat, nämlich „Dostoevskij und Kant. Überlegungen eines Lesers zu dem Roman ,Bruder Karamazovy’ und dem Werk Kants ,Kritik der reinen Vernunft’". In dieser Arbeit wurde eine erdachte „große Konfrontation“ des russischen Schriftstellers und des deutschen Philosophen behauptet.

Die Transliteration des kyrillischen Alphabets wird in Einklang mit der entsprechenden Transliteration deutscher Bibliotheken gegeben. ...

Was wusste Kant von Russland und den Russen?

Prof. Dr. Alexei Krouglov

Prof. Dr. Alexei Krouglov hat die Sammlung von Kant-Zitaten zusammengestellt und bei der Konferenz am 19. April 2019 in Kaliningrad vorgetragen.

Vortragsreihe: Teufel, Spießbürger, Apostel: Kant im Spiegel der russischen Kultur

Prof. Dr. Alexei N. Krouglov

Im Sommersemester 2020 wollte der führende russische Kant-Experte Prof. Dr. Alexei N. Krouglov an der Universität Trier Vorlesungen über die Rezeption Kants in Russland halten. Die Corona-Pandemie hinderte ihn daran und zwang ihn, seine Vorträge auf Video aufzunehmen und sie in dieser Form an die Universität Trier zu senden. Was ein Notbehelf und ein Nachteil war, stellt sich für die Freunde Kants und Königsbergs als Vorteil heraus, denn Prof. Krouglov hat uns gestattet, den Link zu seinen Vorlesungen auf unsere Website zu setzen. Was sonst nur die Studierenden der Universität Trier gehört hätten, wird nun allen Nutzern unserer Website zugänglich, allerdings nur zur persönlichen Nutzung. Eine Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht  gestattet!  

Wir danken Prof. Krouglov herzlich für seine Erlaubnis!

Immanuel Kant: Alltäglichkeit, Tischgesellschaft in Einheit mit der Philosophie in der Epoche der Aufklärung

N. W. Motroshilova

Unter den Vorurteilen, an deren Anwachsen sowohl die Urheber als auch dieLeser philosophischer Werke in gleicher Weise teilhaben, und ebenso auchdiejenigen, die Philosophie lernen und die sie unterrichten, ist eins der am weitesten verbreiteten: Die Philosophie und das gewöhnliche, alltägliche Leben sind angeblich so weit von einander entfernt wie der Himmel und die Erde. Eine aufmerksame, auf umfangreiches Material gegründete Analyse des Lebens und Schaffens hervorragender Philosophen widerlegt indessen nicht nur dieses gängige Vorurteil, sondern erlaubt es auch, die erstaunlichen Wege und Besonderheiten aufzuzeigen, durch die das alltägliche Dasein und der freundschaftliche Umgang von Menschen, die höchst abstrakte, verfeinerte philosophische Konzeptionen erschaffen haben, auf die Philosophie einwirken.

Warum die heutige Menschheit die Ideen Immanuel Kants beachten sollte

Prof. Motroshilova, Prof. Castillo, Gerfried Horst

Auf Einladung der Gesellschaft FREUNDE KANTS UND KÖNIGSBERGS e.V. führten Professor Dr. Nelly Motroshilova, Leiterin der Abteilung für die Geschichte der Philosophie des Philosophischen Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften (Moskau) und Professor Dr. Monique Castillo, Inhaberin des Lehrstuhls für Philosophie an der Universität Paris XII, am 15. Juni 2011 im Bahntower am Potsdamer Platz, 21. Etage, ein Podiumsgespräch über das Thema: „Warum die heutige Menschheit die Ideen Immanuel Kants beachten sollte.“ Das war die erste öffentliche Veranstaltung der Gesellschaft FREUNDE KANTS UND KÖNIGSBERGS e.V. nach ihrer Gründung am 12. Februar 2011. Eine Professorin aus Moskau und eine Professorin aus Paris trafen sich in der Mitte Berlins, um über die aktuelle Bedeutung der Philosophie Immanuel Kants zu sprechen – diese Konstellation allein versprach schon ein außergewöhnliches Ereignis.

Der kantische Kosmopolitismus in der zeitgenössischen Kultur der Identität

Prof. Dr. Monique Castillo

Man erinnert sich an das berühmte Prinzip, das Kant in „ Zum ewigen Frieden“ dargelegt hat: Alle Politik muss ihre Knie vor dem Recht beugen. Indem Kant dieses Gebot formulierte, blieb er in einer Kultur der Autonomie: So wie ein Individuum über sich selbst hinauswächst, dadurch, dass es als Maxime ein Gesetz übernimmt, dessen universelle Gültigkeit die Auswirkung hat, die Menschen in Bezug auf Freiheit und Würde einander anzugleichen, ebenso sind die Staaten fähig...

Kant und die kulturelle Einheit Europas

Prof. Dr. Monique Castillo

Dank dem guten Empfang von Frau Marianne Motherby kann die Gesellschaft « Freunde Kants » der kantischen Geselligkeit eine Verlängerung geben, die von den Gästen und Freunden des Philosophen geschätzt wurde. Man weiß, dass, wenn Kant ziemlich reich war, um ein Haus ihm zu eigen zu haben ...

Neue Wege einer „erweiterten Denkungsart“. Aufklärung nach der Kritik der Aufklärung

Prof. Dr. Monique Castillo

Um eine Kritik der Vernunft, die zu der Aufklärung gehört, von eine Kritik der Vernunft, die sich gegen die Aufklärung wendet, zu unterscheiden, muss man drei verschiedenen Bedeutungen vom Wort „Aufklärung“ berücksichtigen: ...

Wie Frieden gelingen kann

Gerfried Horst - Festvortrag bei der Preisverleihung im Kunstwettbewerb zu Ehren von Käthe Kollwitz

... heute vor 150 Jahren, am 8. Juli 1867, wurde Käthe Kollwitz in Königsberg, der Hauptstadt Ostpreußens geboren. Die Direktorin des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, Frau Dr. Iris Berndt, hat eine Reise organisiert, um den Geburtstag von Käthe Kollwitz in ihrer Heimatstadt zu feiern. ...

Kant als Lehrer der Ungelehrten

Gerfried Horst

Das ist mein Thema. Der Unterschied zwischen den Gelehrten und den Ungelehrten wird in einem russischen Sprichwort beschrieben, das auf Deutsch sinngemäß lautet:

„Wissen ist Macht, Unwissenheit ist Nacht.“

Durch ein Wortspiel im Russischen kann dieses Sprichwort wie folgt abgewandelt werden:

„Wissen ist Macht; die Unwissenden sind eine Masse.“

Es gibt noch eine weitere, ironische Variation dieses Sprichworts:

„Wissen ist Macht; Unwissenheit ist: Es wird schon hell, macht euch an die Arbeit!“

Was bedeutet den Menschen, die jeden Morgen früh aufstehen und zur Arbeit fahren müssen, die Lehre Kants? Was bedeutet die Lehre Kants den Arbeitslosen, den Rentnern, was bedeutet sie der großen Mehrheit der Menschen in Europa und in der Welt? Die Antwort auf diese Fragen kann nur lauten: Nichts.

Kants Weltbegriff der Philosophie

Prof. Dr. Jürgen Stolzenberg

In den Reigen der Gratulanten zu Immanuel Kants Geburtstag möchte ich mich mit einigen Überlegungen einreihen, die ebenfalls die Aktualität der Philosophie Kants betreffen. Ich greife hierbei das vorhin bereits zur Sprache gekommene Thema des Kosmopolitismus wieder auf, möchte es aber mit Blick auf das, was Kant den Weltbegriff der Philosophie nennt, auf einen besonderen Bereich und ein aktuelles Thema anwenden. ...

Immanuel Kant, der verkannte Empirist oder Wie Kant zeigt, Grundlagen der heutigen Physik aufzufinden

Prof. Dr. Wolfgang Deppert

... Metaphysik besteht für Kant aus den Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung. Weil aber diese Bedingungen jeder Erfahrung vorausgehen müssen, sind sie apriorische Bedingungen, die nicht erst durch Erfahrungen entstanden sein können. Gemäß der christlich-absolutistischen Denktradition mußte es für Kant noch etwas Unbedingtes, etwas Absolutes geben, und darum war es für ihn selbstverständlich, daß die apriorischen Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung selbst unbedingt und mithin für alle Zeiten unveränderlich sind. ...

"Komsomolka" über den Wiecks Krieg und Frieden: «Meine Wunden sind nicht vernarbt …»

Vladislav Rzevskij

Der bekannte Geiger, der in Königsberg geboren wurde, aber schon aus Kaliningrad abfuhr, als er seine Heimat für immer verließ, wird am 19. Juli 90 Jahre alt. ...

Lebt das geistige Erbe von Immanuel Kant?

Michael Wieck

In Königsberg wurde ich 1928 geboren. Womöglich gehöre ich zu den wenigen heute Lebenden,  die über die Geisteswelt Königsbergs noch aus eigener Erfahrung etwas aussagen können. Erlauben Sie mir deshalb, zu Beginn auch einige Sätze über meine Eltern zu sagen. ...

Michael Wieck wird 90!

Gerfried Horst, Marianne Motherby

Am 19. Juli 2018 wird Michael Wieck 90 Jahre alt. 

Michael Wieck ist Königsberger, Violinist, Schriftsteller, Zeitzeuge. ...

Von Königsberg nach Paris. Französische Reaktionen auf Kants Schrift "Zum Ewigen Frieden"

Prof. Dr. Heinz Wismann

In unmittelbarem Anschluss an die zweite, erweiterte Auflage von Kants Schrift Zum ewigen Frieden, deren erste Auflage aus dem Jahre 1795 bereits in wenigen Monaten vergriffen war, erschien 1796, ebenfalls bei Nicolovius in Königsberg, eine anonyme französische Übersetzung mit dem Titel Projet de paix perpétuelle. …

Kants Erstlingsschrift

Prof. Dr. Wladimir Gilmanov

Im Vorwort zu seiner Erstlingsschrift, deren Erscheinen Kant mit seinem 23. Geburtstag datiert, also mit 22. April 1747, schreibt er mit ungewöhnlich starkem Selbstbewusstsein, dass vor der Wahrheit alle urteilsvermögenden Individuen gleich seien, was auch für Newton oder Leibnitz gelte. Es wäre möglich, diese auch „auf Fehlern zu ertappen“, denn für die Erkenntnis der Wahrheit wird „viel erheblicher sein, als wenn man nur immer die Heeresstraße gehalten hatte. ...

Spiele und Gespenster: Kants Warnung vor „Chimären der Eingebung“

Prof. Dr. Wladimir Gilmanov

.... Die Welt der menschlichen Sinnlichkeit – Gefühle, Empfindungen, Existentiale – ist eine ambivalente Dimension, in der so etwas, was man schon seit Kants „Kritik der Urteilskraft“ als die der Spiele erkannt wird. Diese Spieldimension, eine „ästhetische Wallfahrtslandschaft“, kann, einerseits, eine auf- und verklärende „Höllenfahrt der Selbsterkenntnis“ (so J.G. Hamann) ermöglichen und das Gemüt, das diskursive Denken eingeschlossen, läutern; anderseits, beinhaltet das Spiel viele Gefahren, denn in diesem Spiel, wo das ästhetische Gefühl wirkt, kann der Spielende existentiell-psychologisch und menschlich verlieren. ...

Kant als Code

Prof. Dr. Wladimir Gilmanov

Mein Beitrag ist ein gewagter Versuch Kant, einerseits, angesichts der modernen Zivilisationsproblematik im allgemeinen zu aktualisieren, anderseits ihn als eine der denkbaren Personen für die lebenswichtige Ernüchterung in der Wechselwirkung zwischen Deutschland und Russland zu benutzen. ...

"Was soll ich tun?": Kant im Diskurs der Hoffnungsphilosophen

Prof. Dr. Wladimir Gilmanov

In der Aufklärungsepoche war Königsberg die Stadt, die dank Kant sich zu einer besonderen Mission zu erheben suchte oder durch den aufgeklärten Willen berufen wurde, sich zu der Mission erheben zu lassen und zwar zu der der Hauptstadt nicht nur der „reinen Vernunft“, sondern auch des „ewigen Friedens“.

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Kant und die Teleologie der Anfänge in der Königsberger Ideengeschichte

Prof Dr. Wladimir Gilmanov

Was bedeutet "Teleologie"? Es ist eine Entwicklung auf ein bestimmtes Ziel hin. Kant unterscheidet zwischen "Ziel" und "Zweck". Wir wissen nicht, ob die Natur ein Ziel hat, aber einen "Zweck" wollen wir organisieren. Das sollte die moralische Entscheidung sein, die Geschichte so zu gestalten, dass sie zum ewigen Frieden führt. ...

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