Stellungnahme der Gesellschaft
FREUNDE KANTS UND KÖNIGSBERGS e. V.

 

 

Zum Vereinszweck unserer Gesellschaft gehört es, die Völkerverständigung zu fördern und zu einem „Friedensbund“ der Völker beizutragen, „der alle Kriege auf immer zu endigen sucht.“

 

Der letzte Halbsatz ist ein Zitat aus Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“. Als Freunde Kants und Königsbergs wollen wir deshalb zu dem Krieg in der Ukraine Stellung nehmen. 

 

Vor unseren Augen ist ein europäisches Land mit militärischer Gewalt überfallen worden. Entsetzt und bestürzt werden wir Zeugen einer Tragödie, für die der russische Präsident Wladimir Putin die Verantwortung trägt.

 

Es ist derselbe Präsident, der im Jahre 2005, am 750. Jahrestag der Gründung Königsbergs, zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Schröder der Kaliningrader Universität den Namen „Kant-Universität“ verlieh. Damals erklärte Wladimir Putin, der Friedensdenker Kant sei der „gemeinsame Landsmann“ von Deutschen und Russen, und er betonte: „Ich erinnere daran, dass Kant kategorisch dagegen war, zwischenstaatliche Meinungsverschiedenheiten durch Krieg zu lösen (…). Wir müssen seine Lehre über die Lösung von Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln in die Tat umsetzen.“


Derselbe Präsident, der 2013 ein Gespräch mit Professoren und Studierenden der Baltischen Föderalen Kant-Universität wie folgt zusammenfasste: „Wenn Sie meine Meinung hören wollen, so sollte Kant das Symbol nicht nur der Universität, sondern des ganzen Gebiets sein.“ Er erinnerte daran, dass Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ der erste Versuch war, nach dem Siebenjährigen Krieg eine Vereinigung Europas herzustellen.

 

Derselbe Präsident, der 2016 verfügte, dass das ehemalige Pfarrhaus in Judtschen (heute Wessjolowka), in dem Kant drei Jahre als Hauslehrer tätig war, als Erinnerungsort wiederaufgebaut werden sollte, und der hierfür ca. 650 000 € aus seiner Präsidentenreserve bereitstellte.


Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) befand sich Königsberg in den Jahren 1758 bis 1762 unter russischer Besatzung. Am 22. Januar 1758 übergaben die Bürger Königsbergs dem russischen General Wilhelm von Fermor die Stadtschlüssel und begrüßten die einrückenden Russen mit Glockengeläut. „Alles andere blieb beim Alten“, so kann man es in der Stadtgeschichte nachlesen. In jenen Jahren ließen sich russische Offiziere von Immanuel Kant in verschiedenen Fächern unterrichten. 

 

Kants bedeutendstes Werk „Kritik der reinen Vernunft“ wurde nicht irgendwo in Europa, sondern im russischen Kaiserreich veröffentlicht. Der große russische Schriftsteller Leo Tolstoi befasste sich intensiv mit Kants Moral- und Religionsphilosophie und hat die russische Kant-Forschung nachhaltig beeinflusst.

 

In Königsberg, seiner Heimatstadt, verfasste Kant 1795 seinen philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“. Heute heißt seine Heimatstadt Kaliningrad und gehört zur Russischen Föderation. Am Geburtstag Kants legen seit vielen Jahren Russen, Deutsche und Kant-Verehrer aus aller Welt gemeinsam Blumen am Grabe des Philosophen in Kaliningrad nieder.

 

Dass 227 Jahre nach Veröffentlichung der Schrift „Zum ewigen Frieden“ von Russland ein Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgeht, ist unfassbar. Wir trauern um die Opfer, die dieser Krieg schon gefordert hat und noch weiter fordern wird, wenn er nicht sofort beendet wird. Als Freunde des großen Friedensphilosophen Immanuel Kant appellieren wir an den russischen Präsidenten Wladimir Putin: 

 

Beenden Sie diesen Krieg! 

 

 

FREUNDE KANTS UND KÖNIGSBERGS e. V.

Kant und Königsberg in Kaliningrad