Über Oder und Weichsel

April 17, 2017

Als der Autor dieser Zeilen um 12:15 am vereinbarten Treffpunkt den Reisebus betritt, ist dieser bereits gut gefüllt. Nach einer kleinen Verzögerung sind auch die letzten notwendigen Besorgungen in einer Apotheke getätigt. Busfahrer Martin begrüßt uns. Auf Anfrage gesteht er, die zurückerwarteten Reisepässe gegen einen anständigen Betrag einem Russen auf dem Parkplatz verkauft zu haben... Ihm wird verziehen und der Bus setzt sich in Bewegung. Berlin verabschiedet uns mit Regen – gut, gut, wir gehen ja schon. Erfreut stellen wir fest, dass sich die Sitze zu Seite schieben lassen und man so den Platz pro Reisendem bequem vergrößern kann. Es sollte jedoch ein kurzes Vergnügen werden: Deutschland, so lernen wir, ist das einzige Land der EU, in dem dies noch nicht verboten ist. In Polen würde man eine solche Verengung des Fluchtweges mit einem saftigen Bußgeld ahnden.
Die Unterhaltungen der diversen Sitzpaare werden erst beim Überqueren der Oder merklich unterbrochen. Als wäre es geplant gewesen, werden wir mit klarem Himmel und Sonnenschein begrüßt – Gerfried Horst sollte mit seiner Vorahnung also recht behalten. Die Sitze werden wieder ordnungsgemäß zurückgestellt und wir sehen unserer ersten Pause entgegen. Zur Stärkung gibt es Würstchen und Kaffee. Wer Bedarf hat, tauscht noch ein paar Euro in Złoty um und weiter geht es. Gerfried Horst greift gut gelaunt zum Mikrofon und heißt uns nun offiziell willkommen. Die verbleibende Reisezeit macht einiges Anregende die Runde: Die neu erschienene Graphic Novel „Lampe und sein Meister“ von Antje Herzog weiß zu begeistern, ebenso wie das großartige Informationsmaterial zu unserer Reise, das Christof Ringler zur Verfügung stellte.
Kurz vor Poznan machen wir eine zweite Pause. Weiter geht es auf den letzten Kilometern der äußerst gepflegten polnischen Autobahn. Wir erlangen einen (leider nur) kurzen Blick auf den Dom von Gniezno (Gnesen). Ab hier wechseln wir auf die Landstraße und nähern uns gemächlich unserem Tagesziel.
Den Sonnenuntergang im Rücken erreichen wir Toruń (Thorn). Eine für den Bus zu niedrige Brücke droht uns mit einem halbstündigen Umweg. Busfahrer Martin erspart uns die Verzögerung und beeindruckt mit der Kenntnis eines Schleichweges. Wir überqueren die Weichsel auf der Józef-Piłsudski-Brücke und haben einen schönen Blick auf die Thorner Altstadt. 
Angekommen im Hotel Mercure lassen wir den Abend bei Buffet und vielen interessanten Gesprächen ausklingen.

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