Dr. Marie-Anne Mersch: Die Bedeutung der Freimaurerei im Königsberg des 18. Jahrhunderts

Die Freimaurerei ist eine Gesellschaft, deren Grundanliegen die Verbesserung sowohl des einzelnen Menschen als auch der ganzen Gesellschaft ist. Sie entstand Anfang des 18. Jahrhunderts in England nach verheerenden Religions- und Bürgerkriegen, hat sich auf dem Kontinent in wenigen Jahrzehnten rasch ausgedehnt und so viele Menschen erfasst wie keine andere Gesellschaft im Zeitalter der Aufklärung. Der Freimaurer soll ständig an sich selbst arbeiten um die Grundideale von Freiheit, Gleichheit, Toleranz, Humanität und Brüderlichkeit zu verwirklichen. Die Freimaurer organisieren sich in sogenannten Logen und arbeiten in Tempeln nach bestimmten Ritualen und verpflichten sich der Verschwiegenheit. Die Logen waren ein geselliges Zusammenkommen von tugendhaften Männern mit verschieden Meinungen, Konfessionen und politischen Auffassungen. Daher sollte auch weder über Politik noch über Religion in den Logen geredet werden.

Präsentation des vortrags VON

Dr. Marie-Anne Mersch

Man kann die Freimaurerei daher nicht mit anderen gelehrten Gesellschaften vergleichen, wie zum Beispiel die Lesegesellschaften, Klubs oder Kränzchen, da diese waren jeweils sozial auf eine Bevölkerungsgruppe, wie beispielsweise Gebildete oder einzelne Berufe, und lokal auf eine Stadt bezogen. Die Freimaurerlogen entwickelten sich hingegen von Anfang an in einem weiten sozialen, konfessionellen, regionalen und internationalen Rahmen.

Die erste deutsche Freimaurerloge entstand 1738 in Hamburg. Eine Deputation dieser Loge nahm den Kronprinzen Friedrich und späteren König Friedrich II. im August 1738 in der Nähe von Braunschweig auf. Er gründete im selben Jahr die Loge Première auf Schloss Rheinsberg und 1740 die Loge Aux Trois Globes in Berlin, später umbenannt Zu den Drei Weltkugeln. In Preußen herrschten daher für die Freimaurer günstige politische Bedingungen, unter denen sie sich ungehindert von Staat und Kirche entwickeln konnten. Die Logen organisierten einen beträchtlichen Teil der gesellschaftsfähigen Männer. Sie waren im 18. Jahrhundert in drei großen, die gesamte Monarchie erfassenden Logenbunden (Systemen) vereint: der Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln (Königliche Mutterloge), der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland und der Großen Loge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft, alle mit Sitz in Berlin.

Bereits sechs Jahre nach der Gründung der Mutterloge Zu den Drei Weltkugeln fasste die Freimaurerei 1746 auch im Königreich Preußen (Ostpreuen) Fuß. Es war in Königsberg wo 1746 die erste Loge Ostpreußens gegründet wurde, die Loge Zu den drei Ankern unter der Konstitution der Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln. Aus dieser Loge gingen während des Siebenjährigen Krieges 1758 die St. Andreas Loge, und 1760 die Loge Zu den drei Kronen hervor. Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland gründete in Königsberg Anfang Juni 1772 die Loge Zum Totenkopf und 1775 die Loge Phönix. 1798 errichtete die Mutterloge Zu den drei Kronen die Loge Luise zum aufrichtigen Herzen in Tilsit ein. In Insterburg wurde die Loge Zum preußischen Adler 1784 unter der Warschauer Großloge konstituiert.

 

Besonders der siebenjährige Krieg ‚1756-1763) brachte für die Freimaurer Preußens schwere Belastungen. Die militärischen Mitglieder rückten mit ihren Regimentern aus und nur wenige kehrten zurück. Die Logenarbeiten hörten auf oder stockten. Der Krieg belebte aber auch die Freimaurerei mit neuen Mitgliedern. Nach der russischen Besetzung der Stadt Königsberg 1758 vergrößerte sich der Teilnehmerkreis schnell. Daher wurde im Oktober 1758 eine französisch arbeitende St. Andreas-Loge eingerichtet.

Zu dieser Loge traten einige russische Generäle und Stabsoffiziere bei. Das von den preußischen und russischen Mitgliedern entworfene Statut von 1758 verpflichtete einen jeden, „Gott nach derjenigen Religion zu dienen, in welcher er aufgezogen ist und durch welche er glaubet, zeitlich und ewig glückselig zu werden, sowie zu Treue und Gehorsam gegenüber dem Landesherrn“, also der russischen Zarin Elisabeth. Diese Loge benötigte aber eine Konstitution einer Mutterloge und am 10. März 1760 schrieb die Führung der St. Andreas-Loge aus dem besetzten Königsberg an die Königliche Mutterloge um ein Patent anzufragen. Die russischen Generäle wollten eines von der Petersburger Loge besorgen, erklärten sich aber einverstanden. Die russische Besatzungsmacht duldete die Kontakte nach Berlin vermutlich aus Rücksicht auf den Thronfolger Peter, von Geburt ein Deutscher und Verehrer Friedrichs II. Auch die Privilegierung durch die Königliche Mutterloge hatte einen politischen Hintergrund und erfolgte sicher nicht ohne Zustimmung des Königs. Es ging um die Möglichkeit preußischer Kontakte in ein vom Kriegsgegner besetztes Gebiet. Die militärische Lage Preußens war 1760 verzweifelt und Friedrich II. suchte nach einem Weg, mit Russland einen Separatfrieden auszuhandeln. Er nutzte also auch freimaurerische Kontakte.

Der 10. Juni 1760 mit dem Beschluss der Königlichen Mutterloge über die Ausfertigung des Patents gilt als Gründungstag der Loge Zu den drei Kronen. Die Loge meldete 1761, dass „alles auf dem alten Fuß geblieben sei, man sei zufrieden, einig und freundschaftlich mit den Russen“.

Während der russischen Besetzung war die Dreikronenloge also eine deutsch-russische Gesellschaft. Außer den Deutschen gehörten ihr 29 russische Offiziere und ein ziviler Beamter der Besatzungsmacht an, unter ihnen der Königsberger Gouverneur Oberstleutnant Vasilij Suvorov, der Vater des später berühmten Generalfeldmarschalls Alexandr Vasievič Suvorov. Auch der russische Generalpolizeimeister Oberst v. Krummenow, ein Freimaurer, besuchte wiederholt die Loge.

Zuerst kamen die Logen in Häusern und Wohnungen ihrer Mitglieder und in Mietraumen zusammen. Es waren die Königsberger und nicht die Berliner Logen, die als erste eigene Häuser erwarben. Zu den drei Kronen kaufte 1771 von dem Justizrat Theodor Polykarp Woydt ein Gebäude mit Garten in der Holländerbaumstraße Nummer 9. Da die Logen den Kauf nicht aus eigenem Vermögen finanzieren konnten, nahmen sie bei wohlhabenden Mitgliedern zinslose oder verzinste Darlehen auf. So geschah es in der Loge Zum Totenkopf, als der Kaufmann Christian Jakob Hewelcke, im Namen der Loge das Grundstück Tragheim Nr. 164/165 kaufte. Die Loge Zu den drei Kronen erwarb 1817 das benachbarte Grundstück am Hinter Tragheim, so dass die Königsberger Logen bis 1933 Nachbarn waren.

 

Die Sozialfürsorge war ein unverzichtbares internes wie öffentliches Tätigkeitsfeld jeder Loge. Sie verfügte eigenständig über die Vergabe der gesammelten Gelder für die Armenpflege, arbeitete aber auch eng mit staatlichen und kommunalen Armendepartements sowie den Kirchen zusammen. Das Armengeld wurde halbjährlich an bedürftige Freimaurer verteilt sowie an den Johannistagen zu Armenspeisungen und zu Darlehen verwandt. Einer der vielen der eine solche Unterstützung erfuhr, war der in Londoner Schuldhaft sitzende Johann Reinhold Forster. Er hatte mit seinem Sohn Georg an der zweiten Weltumseglung von James Cook teilgenommen. Herzog Ferdinand von Braunschweig rief die Vereinigten Logen auf, ihm zu helfen. Der Aufruf fand auch in Königsberg große Resonanz, wo Forster 1765 in der Loge Zu den drei Kronen als Freimaurer aufgenommen worden war. Seine Loge sammelte 88 Friedrich d’or. Forster trat nach seiner Freilassung die ihm von Friedrich II. angebotene Professur in Halle an, wo er Mitglied der Loge Zu den drei Degen wurde.

Eine andere Quelle des Armengeldes waren Wohltätigkeitskonzerte zum Besten der Armen. Dieses Mittel konnten nur Logen nutzen, die in der Lage waren, mit musikalischen Brüdern, Berufsmusikern und Laien, öfter Militärmusikern, ein Orchester zu unterhalten, zu dem man auch Mitglieder anderer Logen und Profane, selbst Frauen hinzuzog.

Die Loge in Insterburg Zum Preußischen Adler errichtete, obwohl ihre finanziellen Möglichkeiten eingeschränkt waren, am 7. April 1802 eine Maurerische Rettungsanstalt für verarmte gewerbetreibende Familien ein. Die Einrichtung fand die Anerkennung König Friedrich Wilhelms III., der in einem Kabinettsschreiben der Loge Glück wünschte zu einem Unternehmen, „welches der Menschenliebe ihrer Mitgliederviel Ehre macht“. Außerdem unterstützte sie aus der Logenkasse monatlich sechs Arme als Pensionäre.

Königsberg war eine freimaurerische Hochburg mit drei Logen in zwei Systemen, die sich gegenseitig zwar bekämpften, sich jedoch bemühten friedlich miteinander auszukommen. Gegenbesuche waren nicht toleriert bis Ende des 18. Jahrhunderts. Kein Mitglied wechselte zwischen der Dreikronenloge und der Loge Zum Totenkopf und Phönix und der gegenseitige Besuch blieb ihnen untersagt. Dies obwohl die Mitglieder oft außerhalb der Logen zusammenarbeiteten und sich begegneten, sei es an der Universität, im Militär oder bei Kants Tischgesellschaft. Die Logen beider Systeme lebten streng getrennt.

Die Königsberger Logen waren Sozietäten mit einer bürgerlichen Mehrheit. Das Verhältnis von Adel zu Bürgertum betrug 3 zu 7. Die Logen stützten sich wie auch sonst in der Monarchie hauptsächlich auf die Angehörigen des Staatsapparates, die Beamten und das Militär, auf die Unternehmerschaft sowie auf die Intelligenz. Der Gesamtmitgliederanteil der Beamten und Angestellten lag bei 28,7 Prozent, der Offiziere in den Ober- und Unterstäben, einschließlich der 29 russischen Offiziere und 6 der Kriegsgefangenen bei 25,2 Prozent und der Manufaktur- und Finanzunternehmer, einschließlich der Buchhändler und Buchdrucker bei 18,2 Prozent. Die meist adligen Grundbesitzer und die bürgerlichen Pächter waren mit 4,7 Prozent gering vertreten. Die Gebildeten und die Künstler erreichten einen Mitgliederanteil von 13 Prozent unter ihnen 36 Prediger sowie 42 Ärzte, Chirurgen und Apotheker. In Königsberg zählt man zu den Freimaurern bis Ende des 18. Jahrhunderts 48 Studenten und 57 Mitglieder der Albertus Universität (Albertina), darunter einige Professoren. Außerdem 7 Theologen, 12 Lehrer, 12 Schauspieler, 7 Musiker, 2 Organisten und 2 Ballettmeister.

 

Zu den ersten Königsberger Freimaurer gehörten der Generalmajor Karl Friedrich Meier sowie Friedrich Johann Bück, Professor an der Albertina für Logik und Metaphysik, Mitglieder in der zuerst gegründeten Loge Zu den drei Ankern. Kant unterrichtete Meiers Offiziere in Mathematik, und Physik und Geographie. 1753 wurde Kants Freund Johann Gotthelf Lindner ebenfalls Mitglied dieser Loge. Er hatte 1749 mit dem Philosophen Hans Georg Hamann die frühaufklärerische Zeitschrift Daphne gegründet, und verschaffte dem Philosophen Johann Gottfried Herder 1764 auf Empfehlung seines Jugendfreundes Hamann eine Lehrstelle in Riga. Johann Daniel Funck, Kants engster Jugendfreund und Professor der Rechte wurde 1748 aufgenommen. Der nobilitierte Jurist und Schriftsteller Theodor Gottlieb v. Hippel der ab 1780 an der Spitze der Stadtverwaltung stand wurde schon 1762, als einundzwanzigjähriger in der Loge Zu den drei Kronen aufgenommen. Zwei Jahre später im Jahr 1764 wurde der in Wohnsdorf geborene Friedrich Leopold Schroetter, auch einundzwanzigjährig, in der gleichen Loge aufgenommen (später auch sein Bruder Karl Wilhelm). Beide arbeiteten eine Logenverfaßung und die Logengesetze aus. 1786 schlugen beide der Loge vor, bei Königsberg ein Schulmeisterseminar zu errichten.

Der Buchhändler Johann Friedrich Hartknoch, wurde schon 1757 Mitglied der St. Andreas Loge und trat 1762 auch der Dreikronenloge bei. Hartknoch wurde der wichtigste Verleger Kants in Riga. Er verlegte außerdem die Schriftsteller und Wissenschaftler Johann Georg Hamann, den Theologen Johann Gottfried Herder, Friedrich Maximilian v. Klinger, Adolph Franz Friedrich Freiherr Knigge, den russischen Gelehrten und Dichter M. W. Lomonosov und den Arzt und Forschungsreisenden Peter Simon Pallas. Verlagsbuchhandler Johann Jakob Kanter, wurde 1760 als zweiundzwanzigjähriger, in dieselbe Loge aufgenommen. Kanters Handlung im Löbenichtschen Rathaus war ein gesellschaftlicher Treffpunkt der gebildeten Welt. Kant wohnte zeitweilig in seinem Haus. Kanter erkannte früh Kants Bedeutung, ließ 1768 sein Bildnis malen und in seinem Kontor anbringen, verlegte aber keines seiner bedeutenderen Werke. Seine Tochter Dorothea Elisabeth heiratete den Arzt Johann Joachim Jachmann, wie sein Schwiegervater Logenmitglied. Der Dichter Johann Georg Scheffner trat der Loge 1761 auch als junger Mann bei, sowie Johann August Starck, Professor für orientalische Sprachen in Königsberg. Später in den 1770 und 1780iger Jahren traten den drei Kronen Christoph Friedrich Elsner, der Arzt Kants, Paul Heinrich Collins, der ein Reliefporträts von Kant modellierte, Kants Schüler Johann Gottfried Frey, der Münzdirektor Johann Julius Göschen, Christian Friedrich Jensch, den Kant als seinen „vieljährigen, wohldenkenden, aufgeweckten und im literarischen Fach wohl bewanderten, zuverlässigen Freund“ bezeichnete, Johann Benjamin Jachmann der Bruder des Kant-Biographen Reinhold Bernhard, sowie die Brüder Johann Albrecht Otto und Karl Keyserlingk. Der Kameralist Christian Jakob Kraus, einer der bedeutendsten Schüler Kants und durch ihn eine Mentor Stellung bei Heinrich Christian Graf von Keyserlingk bekam, trat der Dreikronenloge 1778 bei. Herder, Mitglied der Loge Zum Schwert in Riga, besuchte regelmäßig die Loge Zu den drei Kronen.

Friedrich Konrad Jacobi, der Erbe seines Onkels Johann Konrad war Mitglied der Loge Zum Totenkopf. Johann Ernst Schultz, Schüler und Freund Kants trat dieser Loge 1773 bei. Er verbreitete Kants Philosophie und Kant schätzte ihn hoch, nannte ihn 1772 „den besten philosophischen Kopf, den ich in dieser Gegend kenne“. Ehregott Andreas Christoph Wasiasnski wurde 1784 in die Loge aufgenommen, er verwaltete Kants Hausstand und sein Vermögen, vollzog sein Testament und hinterließ eine Darstellung seiner Begegnungen mit Kant: „Kant in seinen letzten Lebensjahren“. Die Loge ehrte Immanuel Kant nach seinem Tode mit einer Versammlung am 21. März 1804 mit einer Rede von Friedrich Riemasch „Über die Bedeutung des verstorbenen Professors Kant“.

 

Mitglieder der Schuch‘schen Theatergesellschaft traten sowohl der Dreikronenloge als auch der Totenkopf und Phönix Logen bei. Genannt seien der Prinzipal Konrad Ernst Ackermann, einer der Begründer der deutschen Schauspielkunst, und Karl Steinberg, Sohn von Johanna Karoline Schuch, Direktor bei Franz Schuch dem Älteren. Vier Freimaurer aus der Loge Zum Totenkopf spielten eine bedeutende Rolle im Königsberger Musikleben: der Sänger und Schauspieler Karl David Ackermann, der Sänger, Opernkomponist und spätere Musikdirektor am Stadttheater Friedrich Adam Hiller, der Violoncellist Erdmann Friedrich Zander, der in Potsdam zum Militärmusiker ausgebildet worden war, öffentliche Konzerte veranstaltete und das erste Streichquartett gründete, und sein Sohn Karl August, der während seines Studiums an der Albertina Studentenkonzerte veranstaltete. Einer der Söhne von Robert Motherby, auch Robert genannt, wurde übrigens 1806 Freimaurer in Loge Constantia zur gekrönten Eintracht in Elbing.

77 Prozent der Königsberger Freimaurer bekannten sich zum Luthertum, 19 Prozent zum Reformismus und fünf 3,5 Prozent zum Katholizismus. Der Kanonikus Matthias Stolterfoth war der einzige katholische Geistliche in der Dreikronenloge. Die Logen standen im 18. Jahrhundert wie insgesamt die Freimaurerei in Brandenburg- Preußen streng auf christlichem Boden.

 

Am 15. August 1780 besuchte Kronprinz Friedrich Wilhelm II. die Loge Zu den drei Kronen. Er war Freimaurer und wurde später Rosenkreuzer. Manche Königsberger Freimaurer waren auch gleichzeitig Rosenkreuzer. Friedrich Leopold Freiherr von Schroetter gründete 1782 den bis 1786 nachgewiesenen Gold- und Rosenkreuzer- Zirkel Ferreus. Der Zirkel nahm zehn Freimaurer auf, acht Mitglieder der Loge Zu den drei Kronen. Die Königsberger Gold- und Rosenkreuzer waren nach Herkunft und Beruf zumeist Adlige unter ihnen den Grafen August Ludwig Christian von Dönhoff-Friedrichstein, sechs Offiziere, drei Beamte, darunter Hippel, und ein Grundherr. Sie standen auf hoher gesellschaftlicher Ebene. Der Königsberger Rosenkreuzer-Zirkel lässt sich also politisch und ideologisch nicht schlechthin als reaktionär oder irrational charakterisieren, sondern war vielschichtig, betont christlich und naturwissenschaftlich orientiert.

Die Logen engagierten sich auch kulturell. So gründete Der Stuhlmeister Graf von Finckenstein 1769 in der Loge Zu den drei Kronen einen Maçonniquen Winterklubbe. Der Klub öffnete jeden Dienstag um 17 Uhr zunächst nur im Winter, bald aber das ganze Jahr. Die Klubmitglieder zahlten dem Ökonomen für Abendessen, Wein, Bier, Holz und Licht. Pfeifen erhielt man im Klub gratis, hatte jedoch den Tabak mitzubringen. Die Loge Zu den drei Kronen richtete am 11. Dezember 1767 erstmals eine Bibliothek ein. Jedes Mitglied sollte ein Buch beisteuern. Der Buchdrucker Johann Jakob Kanter erbot sich, Bücher zu liefern, unter der Bedingung, dass Theodor Gottlieb Hippel und Johann Gotthelf Lindner ihm ihre Logenreden zum Verlag gäben, womit sie einverstanden waren. Beide suchten die von Kanter zu liefernden Büchern aus. Dieser lieferte am 11. März 1768 137 Bände. Lindner, der die Bibliotheksverwaltung übernahm, und Hippel entwarfen eine Bibliotheksordnung. Eine Benutzung war nur in den Logenräumen möglich. Ab 1773 erhielt die Bibliothek einen erheblichen Zuwachs, als die Buchhändler Hinz in Mitau und Hartknoch in Riga ihr je ein Exemplar der in ihren Verlagen erscheinenden Bücher zusicherten. Johann Georg Scheffner vermachte 1788 der Logenbibliothek seine Bücher. Die Bibliotheksordnung von 1768 wurde erst 1780 durch die von von Schroetter ausgearbeiteten abgeändert. Angeschafft werden sollten außer Masonica, geographische, historische, naturgeschichtliche Werke, Reisebeschreibungen, Werke zur Bildung des Geschmacks und des Herzens sowie französische, englische und italienische Titel, aber keine theologische, juristische, medizinische, philosophische, mathematische, schöngeistige und kunstgeschichtliche oder griechische und lateinische Literatur. Die Bücher wurden gegen bare Deposition des Wertes ausgeliehen mit Ausnahme von Einzelbänden mehr bändiger Werke. Theodor Gottlieb Hippels Neffe Raphael stellte erstmals einen Katalog zusammen. Im Jahre 1794 hatte die Bibliothek 2.864 Bände: 114 Bände Staatsrecht und Finanzfach, 812 Geschichte, 201 Biographien, 179 Naturgeschichte und -lehre, 269 Erd- und Reisebeschreibungen, 207 Philosophie, 317 Dichtkunst, 259 Philosophie und Kritik, 476 Lesebücher.

Mehrere Mitglieder der Königsberger Logen wurden freimaurerisch unternehmerisch tätig und ließen sich in den siebziger Jahren von dem Freimaurerischen Ökonomischen Plan anregen der von Johann Christian Schubart, dem preußischen Kriegskommissar und abgeordneten Großmeister der Mutterloge Zu den drei Weltkugeln in Berlin, ausgearbeitet wurde. Als gewinnbringend boten sich die von Friedrich II. mit erheblichen Zollermäßigungen gestützten Königsberger Reedereien an. Die Loge gründete daher auf Vorschlag des Gerichtsassessors Jean-Claude Laval und des Reeders Wilhelm Heinrich Stolterfoth eine Maçonnique Reederei, die unter der Aufsicht Stolterfoths und des Kaufmanns Karl Heinrich Cabrit ein Schiff von 110 Last bauen sollte. Es handelte sich um eine Aktiengesellschaft, deren Anteile die Mitglieder aufbrachten. Der auf acht Prozent veranschlagte Gewinn sollte zu einem Viertel an die Loge fallen, der Rest an die Aktionäre. Der Erfolg war so groß, dass die Loge ein im Bau befindliches Schiff von 70 Last kaufte. Es lief am 31. Oktober 1772 vom Stapel und erhielt den Namen „Die Eintracht“. Die Flagge zeigte einen grünen, am roten Band hängenden Ring mit einer geharnischten und einer geistlichen Hand. Das zweite 120 Last große Schiff „Die drei Kronen“ lief im Frühjahr 1773 vom Stapel. Dessen Flagge zeigte auf himmelblauem Grund einen Zirkel, drei goldene Kronen und einen geharnischten Arm mit Schwert. Die von Friedrich II. am 14. Oktober 1772 errichtete staatliche Seehandelsgesellschaft mit dem Monopol, dass nur ihre Schiffe beziehungsweise auf ihre Rechnung befrachtete Schiffe in preußische Seehäfen einlaufen durften, verhinderte jedoch einen dauernden Erfolg der Maçonniquen Reederei.

Immanuel Kant war kein Freimaurer, auch wenn viele Forscher und auch heutige Freimaurer zwischen Kants Philosophie und der freimaurerischen Moral- und Sittenlehre Gemeinsamkeiten sehen wollen.

© April 2019 Dr. Marie-Anne Mersch

© 2019 FREUNDE KANTS UND KÖNIGSBERGS e.V.

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