Freunde Kants aus den Familien Jacobi und Gädeke
Dr. Thomas Gädeke

Die Familien Jacobi und Gädeke kamen erst im 18. Jahrhundert nach Königsberg. Der erste war Johann Conrad Jacobi (1717 – 1774). Er stammte aus Grünstadt in der Pfalz, wo die Familie Weinberge besaß. Sein Bruder Johann Jacob Jacobi (1722 – 1793) hatte eine Gastwirtschaft, in der die Weine ausgeschenkt wurden. Johann Conrad Jacobi wurde Kaufmann und kam über Frankfurt/Main und Berlin nach Königsberg, wo er 1751 eine Firma gründete, die bald im großen Stil mit diversen Waren handelte und schon in den ersten Jahren Geschäftsverbindungen in ganz Europa knüpfte. Das erhaltene Buch mit den Kopien aller abgegangenen Briefe von 1751 – 1753 legt davon Zeugnis ab. Seine Brüder Johann Wilhelm und Georg Ernst Christmann Jacobi folgten ihm nach Königsberg, wo sie eine Weinhandlung führten, bei der auch Kant die Jacobischen Weine aus Grünstadt bezog.

Johann Conrad Jacobi, gemalt von Wilhelm Beckly, Berlin 1761

Johann Conrad Jacobi wurde 1755 von König Friedrich II. zum Commerzienrat und 1763 zum Geheimen Commerzienrat ernannt. Mit diesem Titel durfte er als Bürgerlicher bei Hof verkehren. Sein geschäftlicher Erfolg war glänzend. Bald zählte er zu den Freunden Immanuel Kants und nahm regelmäßig an der Tischgesellschaft teil. Auf Bitten Kants verschaffte er dem Philosophen Johann Georg Hamann eine einträgliche Stelle beim Zoll. 

Johann Conrad Jacobi, gemalt von J. G. Speth 1772

Sein Privatleben war weniger vom Glück gesegnet. Nachdem er die noch nicht 13jährige Maria Charlotte Schwinck 1752 geheiratet hatte, entfaltete seine Frau, die bald die „Prinzessin Jacobi“ genannt wurde, zunächst einen geistvollen Salon in dem vom Grafen Dohna übernommenen Haus in der Junkergasse/Ecke Theaterstraße. Von ihr haben sich zwei Briefe an Kant erhalten, die von ihrem Charme und Temperament zeugen. Die Ehe blieb nach dem frühen Tod zweier Töchter kinderlos, und als die junge Frau mit Münzmeister Johann Julius Göschen ein Verhältnis begann, war der Eklat da, der zur Scheidung führte. Wie sehr der damit verbundene Kummer Johann Conrad Jacobi zusetzte, ist an der offensichtlichen Alterung in seinem Antlitz zu sehen, wenn man die überlieferten Portraits von 1761 und 1772 mit einander vergleicht. Fritz Gause schreibt darüber in seiner „Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen“: „Dieser schönen, wohl nicht sehr gebildeten, aber temperamentvollen und lebenssprühenden Frau lag ganz Königsberg zu Füßen. Auch Kant und Göschen zählten zu ihrem Gefolge, besuchten mit ihr Theater und Redouten und waren so unzertrennlich, dass Hippel sie spöttisch die Maskopisten (Compagnons) nannte. Als Frau Charlotte sich 1768 scheiden ließ, was großes Aufsehen in der Gesellschaft erregte, und knapp ein Jahr später Göschen heiratete, hielt sich Kant sowohl von der Trauung wie von dem Göschenschen Haus fern, obwohl das Ehepaar ihn oft und herzlich einlud. Es war nicht die Ehescheidung, die ihn zu solcher Zurückhaltung veranlasste, sondern seine Freundschaft  mit Jacobi.“

Friedrich Conrad Jacobi, gemalt 1793

Johann Conrad Jacobi hat sich dazu entschieden, die Firma nicht aufzuteilen, sondern sie seinem Neffen Friedrich Conrad Jacobi (1752 – 1816) als Universalerben zu vermachen. Die gute Entwicklung der Firma, die bis 1915 als Bankhaus Johann Conrad Jacobi existierte, zum Aufbau der Königsberger Industrie beitrug und 1870 als Erstaktionär zu den Gründern der Deutschen Bank gehörte, gab dieser Entscheidung Recht. Bereits in den 1780er Jahren war die Firma mit dem Betreiben einer Zuckerfabrik stark in das Wirtschaftsleben der Region integriert. Friedrich Conrad Jacobi gehörte wie sein Onkel Johann Conrad Jacobi zu den Tischfreunden Kants und war unter den Gründern der Gesellschaft der Freunde Kants 1805, ebenso wie sein Schwiegersohn Johann Christian Gädeke (1765 – 1853).

Johann Christian Gädeke, gemalt ca. 1783

Dieser wurde der nächste Inhaber der Firma. Er war Kaufmannssohn aus Lübeck und kam 1782 nach Königsberg. Er bewährte sich im Geschäft und gewann das Herz von Johanna Catharina Elisabeth Jacobi, der Tochter seines Prinzipals, die er 1804 heiratete. Wieder gab es die Entscheidung für den geeigneteren Kaufmann. So verließ mit Friedrich Heinrich Jacobi der letzte Träger des Namens 1819 die Firma Johann Conrad Jacobi. Ebenso wie sein Schwiegervater Friedrich Conrad Jacobi verkehrte Gädeke auch mit Kant und Hamann. Er starb 1853 als letzter der Freunde Immanuel Kants.

© 2015 Thomas Gädeke

Weitere Einzelheiten gerne über tgadeke@gmail.com

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